Das neue Sicherheitskonzept

Bemessung nach DIN 1052:2008-12 - Entwurf, Berechnung und Bemessung von Holzbauwerken

Allgemeine Bemessungsregeln und Bemessungsregeln für den Hochbau

Im Jahr 2004 wurde die 1988 erschienene DIN 1052 mit den Teilen 1 bis 3 sowie der Änderung A1 aus 1996 durch eine komplette Neufassung der Norm mit einem neuen Sicherheitskonzept ersetzt. Das neue einteilige Normenwerk wurde in die Musterliste der technischen Baubestimmungen aufgenommen und zeitversetzt durch Aufnahme in die technischen Baubestimmungen der Bundesländer bauaufsichtlich eingeführt. Mit Anwendungspflicht der DIN 1052:2004-08 wurde die europäische Bemessungsnorm ENV 1995-1-1 (Eurocode 5) auf nationaler Ebene zurückgezogen.

Mittlerweile liegt die Normenfassung DIN 1052:2008-12 vor. Hier wurden die sich aus der Einführungsphase der DIN 1052:2004-08 ergebende Änderungen und Ergänzungen eingearbeitet. Die Norm ist baurechtlich eingeführt und gibt den aktuellen Stand der Technik wieder.

Das neue Sicherheitskonzept

In Anlehnung an die europäische Normung liegt der neuen DIN 1052 nicht mehr das Bemessungsverfahren mit einem in den „zulässigen Spannungen“ enthalten den globalen Sicherheitsbeiwert zugrunde. Wie bei den meisten anderen Baustoffen wird auch im Holzbau das semiprobabilistische Sicherheitskonzept mit Teilsicherheitsbeiwerten verwendet. Auch nach neuer Norm werden die Nachweise für die Tragsicherheit und für die Gebrauchstauglichkeit (Durchbiegungen, Schwingungen) unterschieden. Beim Nachweis der Tragfähigkeit ist zu überprüfen, dass die Bemessungswerte der Beanspruchung (Ed) in keiner Bemessungssituation größer sind als die Bemessungswerte der Beanspruchbarkeit (Bauteilwiderstand Rd). Zur Ermittlung der Bemessungswerte werden die charakteristischen Einwirkungen durch ständige und veränderliche Lasten (Gk bzw. Qk) mit den Teilsicherheitsbeiwerten YG bzw. YQ multipliziert. Analog wird der charakteristische Bauteilwiderstand Rk um einen Material-Teilsicherheitsbeiwert YM abgemindert.

Nachweisführung: Ed ≤ Rd
Bemessungswert der Beanspruchung: Ed = gG · Gk + gQ · Qk
Bemessungswert der Beanspruchbarkeit: Rd = (kmod · Rk) / gM

Der Faktor kmod berücksichtigt bei den Nachweisen der Tragfähigkeit die besonderen Materialeigenschaften des Holzes in Abhängigkeit der vorherrschenden Klimabedingungen und der Lasteinwirkungsdauer. Die Klimaverhältnisse werden über die Nutzungsklassen definiert, siehe Tabelle. Die Modifikationsbeiwerte kmod sind in DIN 1052, Tab. F.1, angegeben. Für die Nachweise der Gebrauchstauglichkeit sind die in DIN 1052, Tab. F.2, enthaltenen Verformungsbeiwerte kdef anzusetzen, die das unterschiedliche Kriechverhalten der Holz und Holzwerkstoffe berücksichtigen.

Charakteristische Festigkeits- und Steifigkeitseigenschaften

Da dem Bemessungskonzept der aktuellen DIN 1052 keine pauschalen Sicherheitsbeiwerte zugrunde liegen, wird in Zukunft nicht mehr mit zulässige Spannungen gerechnet. Den Sortierklassen von Bauschnittholz nach DIN 4074-1 werden in DIN 1052 Festigkeitsklassen zugeordnet, die mit ihrem Zahlenwert die charakteristische Biegefestigkeit, d.h. eine durch Versuche ermittelte 5%-Quantile angeben, siehe Tabelle. Diese charakteristischen Festigkeits- und Steifigkeitseigenschaften sind für Holz und Holzwerkstoffe in der Anlage F der DIN 1052 enthalten.

Weitere Neuerungen der DIN 1052:2008-12 gegenüber DIN 1052:1988 - 04/1996-10

Neben dem grundsätzlich geänderten Bemessungskonzept wurden zahlreiche neue Erkenntnisse aus Forschung und Entwicklung in die aktuelle DIN 1052 aufgenommen. So wurden die Nachweismöglichkeiten für Holzverbindungen deutlich erweitert. Die günstige Auswirkung einer höheren Holz-Rohdichte kann bei der Verbindungsmitteltragfähigkeit und den einzuhaltenden Verbindungsmittelabständen angesetzt werden. Außerdem ist in der Norm ein praxisgerechteres Bemessungsverfahren für Wand-, Decken- und Dachtafeln bei Scheibenbeanspruchung enthalten.