Kontext zur aktuellen Normung
Konstruktionsvollholz KVH® sowie die Balkenschichthölzer Duobalken® und Triobalken® haben sich seit Jahren für die steigenden Anforderungen des modernen Holzbaus bewährt. Die Notwendigkeit, trockene und maßhaltige Konstruktionshölzer für Zimmer- und Holzbauarbeiten zu verwenden, hat mittlerweile Einzug in alle wesentlichen Bauvorschriften gefunden.
DIN 4074-1: Sortierung von Nadelholz nach der Tragfähigkeit, Teil 1: Nadelschnittholz
Die in der DIN 4074-1 aufgeführten Sortierkriterien zur Einstufung der Tragfähigkeit von Bauholz bezie-hen sich auf eine Messbezugsfeuchte um = 20 %, also auf trockenes Holz. Wird nicht im trockenen Zustand sortiert (Kennzeichnung TS), ist dies z. B. durch Einschnitt im Übermaß zu berücksichtigen. Dennoch bleiben in diesem Fall die Sortiermerkmale Schwindrisse und Krümmung unberücksichtigt. Da das Einhalten aller Sortiermerkmale verlässlich nur im trockenen Zustand zu bewerten ist, muss das Holz vor Einbau vom Verarbeiter verantwortlich nachsortiert und ggf. aussortiert werden, da er zum Einbau von Holz mit der „zu erwartenden Ausgleichsfeuchte“, also trocken, verpflichtet ist. Würde das Holz halbtrocken oder feucht eingebaut werden, müsste im i.d.R. trockenen Ausgleichszustand überprüft werden, ob zum Beispiel festigkeitsmindernde Risse eingetreten sind, was einen nicht vertretbaren Umstand darstellen würde. Dieser Aufwand erübrigt sich mit der Verwendung von KVH® sowie Duobalken® und Triobalken®, da grundsätzlich trocken sortiertes Holz mit gegenüber den Anforderungen der DIN 4074-1 hinausgehenden Qualitätskriterien verwendet wird.
Bauregelliste A: Kennzeichnung mit Ü-Zeichen
Seit 2004 legt die Bauregelliste A die Sortiernorm DIN 4074-1 als Bezugsnorm für das Überwachungszeichen fest. Nur vollständig trocken sortiertes Vollholz mit Nennung der DIN 4074-1 im Ü-Zeichen ist somit eindeutig ein geregeltes Bauprodukt. Bei KVH® ist aufgrund der Keilzinkenverbindung zusätzlich ein Bildzeichen der Zertifizierungsstelle im Ü-Zeichen vorhanden. Nicht keilgezinktes Vollholz kann in Zukunft gemäß europäischer Vorschriften alternativ über eine CE-Kennzeichnung verfügen.
Die Kennzeichnung von Duobalken® und Triobalken® erfolgt ebenfalls mit dem Ü-Zeichen, in dem statt der DIN 4074-1 die Zulassungsnummer sowie das Bildzeichen der Zertifizierungsstelle aufgeführt sind.
Eine europäische technische Regel und damit verbunden die Möglichkeit einer CE-Kennzeichnung existiert derzeit nicht.
ATV DIN 18334: VOB/C Zimmer- und Holzbauarbeiten
Die Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) für Zimmer- und Holzbauarbeiten (DIN 18334) fordern, dass Bauholz aus Nadelschnittholz grundsätzlich trocken einzubauen ist. Seit Ausgabe 2000 dieser Vorschrift gelten bereits verschärfte Anforderungen für den Holzhausbau an die Holzfeuchte (um ≤ 18 %), Maßhaltigkeit und Einschnittart. Laut Kommentar zu ATV DIN 18334 ist bei mehrgeschossigen Holzbauten aufgrund des Setzungsverhaltens eine geringere Holzeinbaufeuchte erforderlich. Diese Anforderung ist von besonderer Aktualität, da mit der Umsetzung der Musterbauordnung (MBO 2002) in die Landesbauordnungen mittlerweile bis zu 5-geschossige Gebäude in Holzbauweise genehmigungsfähig sind.
DIN 1052 – Entwurf, Berechnung und Bemessung von Holzbauwerken
Auch die Bemessungsnorm für den Holzbau fordert den Einbau trockenen Holzes in Nutzungsklasse 1 und 2 mit der Begründung, Schwindrisse und Maßänderungen zu reduzieren. Außerdem ist eine Zuordnung der Nadelhölzer von den Sortierklassen nach DIN 4074-1 zu den Festigkeitsklassen nach DIN 1052 ausschließlich für trocken sortiertes Holz (TS) möglich. Es ist zudem zu beachten, dass die den Festigkeitsklassen zugewandten charakteristischen Festigkeiten nur eine begrenzte Rissbildung berücksichtigen.
Vorsicht beim Einbau von Hölzern mit nicht angepasster Holzfeuchtigkeit
Bei Einbau von Hölzern mit wesentlich höherer Holzfeuchte als der zu erwartenden Ausgleichsfeuchte fordert die DIN 1052, dass das Holz nachtrocknen kann und die Holzbauteile selbst sowie die angrenzenden Bauteile gegenüber den hierbei auftretenden Schwindverformungen unempfindlich sind. Der dafür erforderliche Konstruktonsaufwand entfällt bei Verwendung von KVH® sowie Duobalken® und Triobalken® ebenso wie das erhöhte Risiko eines Bauschadens.
Beispiel: Ein Deckenbalken aus Holz mit einer Einbaufeuchte von um = 20 % kann in beheiztem Wohnraumklima auf bis zu 6 % rücktrocknen. Bei einer Holzfeuchteänderung von 14 % ergibt sich bei einem 24 cm hohen Balken ein mittleres Schwindmaß von 8 mm. Die damit verbundenen Setzungen müssen schadensfrei aufgenommen werden können. Besser ist es von vornherein trockeneres Holz zu verwenden, z. B. Duo- oder Triobalken mit max. um = 15 %.
In Bezug auf die Tragfähigkeit und Passgenauigkeit von Verbindungen fordert die DIN 1052 bei Einbau von Hölzern mit zu hoher Holzfeuchtigkeit:
- die Reduzierung der charakteristischen Werte der Tragfähigkeit für auf Herausziehen beanspruchte Nagelverbindungen auf 2/3,
- die Berücksichtigung von Schwindverformungen von Kontaktstößen und Kontaktanschlüssen bei den Nachweisen der Gebrauchstauglichkeit,
- das Nachziehen von Bolzenverbindungen.
Auch hier bieten KVH®, Duobalken® und Triobalken® durch Trocknung und hohe Maßhaltigkeit deutliche Vorteile gegenüber normalem Bauschnittholz.
Holzschutz
Abschließend wird darauf hingewiesen, dass die Verwendung von trockenem Holz eine wichtige Voraussetzung zur Einstufung von Bauteilaufbauten in Gebrauchsklasse 0 nach DIN 68800-2 ist, um auf chemischen Holzschutz verzichten zu können. Darüber hinaus konnte in einer Feldstudie [3] die „Insektenunempfindlichkeit“ von Bauteilen aus technisch getrocknetem Holz im Innenbereich und im geschützten Außenbereich nachgewiesen werden.






